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DeFi-Adoption: Der Mainstream fragt “Was ist für uns drin?” Tatsächlich eine ganze Menge!

DeFi in seiner jetzigen Form wird keine breite Adoption finden, wenn es nicht gelingt, einige der grundlegenden Spannungen im Ökosystem zu lösen, sagt Brian Fu, Mitbegründer von zkLend.

Es wird viel über die Hauptaufgabe von DeFi gesprochen: die finanzielle Eingliederung zu verbessern und Banken für Banken ohne Bankverbindung zu schaffen. Damit eine Massenadoption von DeFi möglich ist, müssen diejenigen berücksichtigt werden, die vom aktuellen Finanzsystem ausgeschlossen sind. Aber auch die, die vom derzeitigen Status Quo profitieren. Das ist die Zielgruppe – die Mainstream-Massenmarktnutzer, die momentan keinen unmittelbaren Anreiz haben, eine Reihe neuer und komplexer Protokolle und die neuartige Technologie dahinter zu erlernen. Wir müssen sie davon überzeugen und bekehren, um die Massenadoption von DeFi zu beschleunigen.

Consensys zufolge lag die Marktkapitalisierung aller DeFi-Protokolle Ende Dezember 2021 bei 149 Milliarden US-Dollar. Das ist weniger als 1 % der Marktkapitalisierung der globalen Banken. Wir haben gesehen, wie viele Unternehmen sich umorientieren und Kapital in diesem Bereich einsetzten.

Der DeFi-Bereich hat noch einen langen Weg vor sich, bevor DeFi verfügbar und für normale Menschen leicht zugänglich wird. Diese Menschen haben unterschiedliche technische Fähigkeiten und finanzielle Kenntnisse. Das finanzielle Kapital in Form von Zeit und Ressourcen, das erforderlich ist, um die zugrundeliegende Technologie zu verstehen, ist ein wesentliches Hindernis. Wir müssen also die grundsätzliche Frage beantworten:

Was ist für den Mainstream drin?

Wir, als eine neu entstehende Branche, müssen die Geschichte von DeFi besser gestalten und erzählen. Daneben müssen noch andere viel diskutierte Probleme angesprochen werden. Zu diesen Problemen gehören unter anderem die Auswirkung institutioneller Adoption, die fehlende nahtlose Nutzererfahrung und Regulierungen, die aktuelle das Wachstum des Ökosystems einschränken.

Die Zusammenarbeit von DeFi und TradFi

Wenn wir uns auf die Durchdringung des Massenmarktes konzentrieren, müssen wir zunächst den Wert anerkennen, den institutionelle Akteure bei der Beschleunigung der Adoption im privaten Bereich haben. Institutionen bringen einen essenziellen monetären Wert. Chainalysis berichtet, dass “große Institutionen” rund 60 % der DeFi-Transaktionen tätigen. Transaktionen werden hierbei als “groß” definiert, wenn ihr Wert über 10 Millionen US-Dollar liegt. Noch wichtiger ist allerdings, dass große Akteure des traditionellen Finanzwesens aktive und realistische Schritte zur Adoption von Kryptowährungen unternehmen. Dadurch wird bei sonst eher Konservativen und Skeptikern ein größeres Vertrauen geweckt.

Zu den hervorstechenden Maßnahmen der letzten Zeit gehört die Ankündigung des Finanzdienstleister Fidelity. Ihre Pläne ermöglichen es, einen Teil der Altersvorsorge in Bitcoin anzulegen. Der Bankenriese Goldman Sachs hat an einen Kreditnehmer erstmals einen Kredit vergeben, der mit Bitcoin besichert ist. In ähnlicher Weise hat eine der größten Banken Frankreichs einen historischen Schritt in Richtung der institutionellen Adoption unternommen. Sie haben einen Stablecoin-Kredit in Höhe von 20 Millionen US-Dollar bei MakerDao beantragt. MakerDao ist eine der größten DeFi-Lending-Plattformen. Der Kredit beinhaltet On-Chain gebundene Token, die von der Bank als Sicherheit vergeben werden. Dies sind praktische Schritte zur Erprobung digitaler Vermögenswerte durch Finanzriesen. Sie können für andere Unternehmen einen Präzedenzfall darstellen und den Weg hin zur Adoption ebnen.

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Weitere Kollaborationen

Viele weitere Banken und traditionelle Finanzdienstleister haben sich 2021 dazu entschieden, in den Space einzutauchen. Dies kann in unterschiedlicher Form geschehen. Zum Beispiel durch die Einrichtung einer Handelsabteilung für digitale Vermögenswerte, die Unterstützung der Verwahrung digitaler Vermögenswerte, die Nutzung neuer Blockchain-basierter Verwahrungsplattformen, die Entwicklung eines digitalen Tokens oder die anderweitige Nutzung digitaler Vermögenswert durch den Kundenstamm in irgendeiner Form.

Diese Schritte sorgen für Aufmerksamkeit und machen Schlagzeilen. Sie zeigen aber auch, dass es einen legitimen Anwendungsfall für digitale Vermögenswerte gibt, der über die reine Wertsteigerung bei steigenden Preisen hinausgeht. Institutionen bieten dem Space neben einem Level an Vertrauen, Bekanntheit und Öffentlichkeit auch eine gewisse Unterstützung für die Entwicklung der Web3-Infrastruktur, UX und der Sicherheit.

Wir haben gesehen, dass kleine bis mittelgroße Krypto-Fonds bereits in einer frühen Phase angenommen werden. Für größere, stärker regulierte Unternehmen gelten jedoch strengere Vorschriften und Meldepflichten. Eine Infrastruktur, die den institutionellen Anforderungen an die Einhaltung von Vorschriften, die Sicherheit und den Betrieb gerecht wird, ist der Schlüssel, um sie von der DeFi-Experimentierphase bis zur Adoption zu bringen. In einigen Fällen sollten auch Privatnutzer diese Infrastruktur nutzen können.

Spannungen und Regulierungen

Das Kapital, das in den Space fließt, zeigt, dass es ein reges Interesse an DeFi gibt. Wenn es um Regulierungen geht, herrscht allerdings auch eine offensichtliche Spannung zwischen den Regierungen und Kryptos. Die Absicht ist es, das öffentliche Interesse zu schützen. Das beeinflusst allerdings die institutionelle und private Adoption.

Regulierungen sind dennoch besser als Verbote. Aber die Aufsichtsbehörden können einfach die traditionellen Finanzregeln auf DeFi anwenden und aufzwingen. Mit diesem Schritt riskieren sie nicht nur, die Innovation und die Gewinne von DeFi zu ersticken, sondern auch das Wesen von Web3. So können sie ihren Auftrag, das öffentliche Interesse zu schützen, nicht erfüllen.

Ein Beispiel dafür ist der neueste Vorschlag der Europäischen Union. Er verpflichtet die Anbieter von Krypto-Dienstleistungen, bei allen Transaktionen personenbezogene Daten von Absendern und Empfängern zu erfassen. Dabei gibt es keine Mindestschwelle. Der Vorschlag soll illegale Geldflüsse und kriminelle Aktivitäten verhindern. Ziel ist es “sicherzustellen, dass Krypto-Assets genauso zurückverfolgt werden können wie traditionelle Zahlungen”.

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DeFi vs. TradFi

Dies ist ein wichtiges Beispiel, das zeigt, dass die Gesetzgeber den grundlegenden Unterschied zwischen TradFi und DeFi nicht verstehen und anerkennen. Sie nehmen an, dass eine selbstverwaltete Wallet, die einer verifizierten Identität zugeordnet ist, bedeutet, dass die Person die Kontrolle über die Wallet hat. Ein Bankkonto, das mit einer verifizierten Identität verknüpft ist, bedeutet dementsprechend auch, dass die Person die endgültige Kontrolle über das Konto hat. Das ist bei selbstverwalteten Krypto-Assets allerdings nicht der Fall. Die Kontrolle und die Möglichkeit Transaktionen durchzuführen ist nicht an die Identität einer Person gebunden. Vielmehr ist sie an den Halter der privaten Schlüssel für die Wallet gebunden. Anstatt die eigene Souveränität über ihr Vermögen an eine Bank abzugeben, behalten sie im Gegenzug für die sichere Aufbewahrung ihrer privaten Schlüssel das vollständige Eigentum.

TradFi ist die Vergangenheit, DeFi die Zukunft

Aufgrund des Vorschlags ist zu erwarten, dass der Anwendungsbereich von TradFi-Mandaten, die ursprünglich für Banküberweisungen gedacht waren, schrittweise auf Überweisungen von Krypto-Assets ausgeweitet wird. Dies sollte grundsätzlich abgelehnt werden, um die Unantastbarkeit von DeFi zu wahren. Es besteht die Gefahr, dass die Grundsätze der Selbstbestimmung und der Privatsphäre sowie die Sicherheit der Nutzer geopfert werden. Im Falle eines Hacks kann eine Bank das Konto sperren. Eine selbstverwaltete Wallet hat diese Möglichkeit nicht. Das Risiko für die Privatsphäre der Nutzer steigt so erheblich.

Jetzt ist es an der Zeit, dass die DeFi-Community proaktiv mit den politischen Entscheidungsträgern zusammen anbietet. Die DeFi-Community muss ein neues regulatorisches Rahmenwerk entwickeln, das eine Balance zwischen Überprüfung und Dezentralisierung schafft. Das ist nicht nur wichtig, um die Grundprinzipien von DeFi einzuhalten. Es wird auch benötigt, um das Talent und das Kapital, das erforderlich für das Wachstum des Sektors ist, zu verwalten. Wir sollten die Vernetzung zwischen zentralen und dezentralen Akteuren fördern und gleichzeitig Compliance-Lösungen einführen, die beide Seiten respektieren.

DeFi: Die Lernbarriere überwinden

Die Unsicherheiten über die Regulierungen werfen einen Schatten auf den DeFi-Sektor. Und es gibt eine weitere Herausforderung für DeFi: die fehlende Nutzerfreundlichkeit des Interfaces. Diese ist allerdings wichtig, um weiterhin exponentiell zu wachsen und neue Nutzer zu gewinnen.

Viele neue Nutzer kommen vom Web2 und wollen den Hype miterleben. Wir müssen den Krypto-Neugierigen und der späten Mehrheit entgegenkommen, indem wir die Einstiegshürde und die Lernschwelle senken. Institutionen sind von den Compliance- und Sicherheitsproblemen abgeschreckt. Mainstream-Nutzer sind allerdings zusätzlich noch von der schwierigen und klobigen UX und UI abgeschreckt.

Ein Nutzer der sich für das Web3 und DeFi-Protokolle interessiert muss zunächst verstehen, was eine Wallet ist und wie diese genutzt wird. Sie brauchen außerdem ein grundlegendes Verständnis der fundamentalen Web3-Bestandteile. Dazu gehören Bridges, Wallets auf verschiedenen Chains und DEXs. Viele DeFi-Anwendungen sind komplex und überschwemmt mit dem Jargon der Branche. Die Kosten und die Zeit, die ein Nutzer aufbringen muss, um die Technologie zu erlernen und auszuprobieren sind die größten Hindernisse für neue Nutzer.

Darüber hinaus besteht das Nutzererlebnis in DeFi nach wie vor aus Anwendungen, die unterschiedliche Dienste anbieten. Für das Ausleihen und den Austausch von Vermögenswerten sind dazu noch unterschiedliche Anwendungen erforderlich. DeFi-Entwickler müssen verstehen, dass dies ein weiteres Hindernis für Neulinge ist. Mainstream-Nutzer sind andere Systeme gewohnt. Systeme, bei denen ein einziges Interface alle Finanzdienstleistungen anbietet, die ein Nutzer braucht, um sich um seine Finanzen zu kümmern. Vom Sparen bis hin zum Kredit.

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DeFi Fragmentierung

Die derzeitige Fragmentierung zwischen den Netzen erfordert, dass die Nutzer die verschiedenen Anwendungen verstehen. Sie müssen außerdem ständig zwischen ihnen wechseln, um Zugang zu verschiedenen Finanzprodukten zu erhalten. Dies wird noch dadurch verstärkt, dass alle Protokolle dezentral und separat abgewickelt werden. Die Interaktionen zwischen den Protokollen sind nicht immer nutzerfreundlich, geradeaus und fehlerfrei.

Die Lernschwelle wird noch verstärkt durch die hohen Gasgebühren, die erforderlich sind, um mit DeFi-Protokollen auf Ethereum zu experimentieren und sie zu erlernen. Das ist vor allem in Zeiten hoher Netzauslastungen der Fall. Die Arbeit, die für die Integration und die Bereitstellung einer besseren und nahtlosen UX erforderlich ist, muss Hand in Hand mit den Fortschritten bei den Rollups gehen. Diese führen Transaktionen außerhalb der Haupt-Ethereum-Blockchain aus. Dadurch können Probleme der Skalierbarkeit gelöst werden. Das wiederum senkt die Kosten für Experimente und erhält gleichzeitig die Dezentralisierung aufrecht.

DeFi: Massenadoption

Um DeFi auf eine neue Ebene des Experimentierens und der Adoption zu heben, müssen wir zunächst die Probleme verstehen, die das Ökosystem aus der Sicht der Nutzer plagen. Wir müssen die Zusammenarbeit mit Aufsichtsbehörden unterstützen und das Verständnis, sowie die Aufklärung der Verbraucher auf einer breiten Ebene fördern. Dadurch können wir die Lernschwelle verringern und erhalten die benötigte Infrastruktur. So kann sichergestellt werden, dass nicht nur die Masse bereit für DeFi ist, sondern auch dass DeFi bereit für die Masse ist.

Über den Autor

Brian Fu ist Mitbegründer von zkLend. Brian hat mehr als 15 Jahre Erfahrung im Bereich TradFi, Investment Banking und Private Equity bei großen Finanzinstituten wie Bloomberg, Standard Chartered Bank, Silk Road Finance und China Merchants Capital. Anschließend tauchte er in die Welt der On-Chain-Protokolle und Kryptos ab. Nachdem er die Engpässe und Probleme der TradFi-Infrastruktur aus erster Hand erfahren hat, freut er sich darauf, mit Menschen und Technologien zusammenzuarbeiten, die dieses neue Finanzparadigma realisieren können.

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